Sexualbegleitung

Häufige Fragen zur Sexualbegleitung:

Was ist der Unterschied zwischen Sexualberatung und Sexualbegleitung?

Beide wollen die ratsuchende Person unterstützen, eine erfülltere und selbstbestimmte Sexualität zu leben.

SexualberaterInnen setzen dazu nur Ihr Wissen ein, SexualbegleiterInnen bieten auch körperliche Dienstleistungen.

Die Ausbildung in Sexualberatung umfasst intensiv die Vermittlung von Beratungsmethoden.

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Ist Sexualbegleitung das Gleiche wie Sexualassistenz?

Nein!

Das Wort Assistenz meint, jemandem nach dessen Anweisungen zur Hand gehen. Behinderte nennen Pflegekräfte zum Beispiel Assistentinnen oder Assistenten. Das Ideal dabei ist ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis, in dem der behinderte Mensch sagt, was er braucht, und die Assistenz ausführt, was er aufgrund der Behinderung nicht ausführen kann. Die Bewertung, die Gefühle, die Meinungen der Assistenz können dabei nur so weit eingebracht werden, wie die behinderte Person das will. So ist das auch bei der Sexualassistenz.

Sexualbegleitung von InSeBe, ISBB und Libida bietet eine Surrogatpartnerschaft. Das heisst: Für eine begrenzte Zeit gehen SexualbegleiterIn und Kunde bzw. Kundin eine emotionale Partnerschaft (Surrogat = Ersatz) ein. Dabei können Erfahrungen der unterschiedlichsten Art gemacht werden, auch körperlich-sexuelle. Diese Erfahrungen sollen zu einem positiveren Selbstbewusstsein verhelfen, zu einem besseren Gefühl zum eigenen Körper, zu mehr Kenntnissen, um sich eine erfülltere Sexualität und Partnerschaft im Lebensalltag schaffen zu können.

SexualbegleiterInnen können allerdings auch die Haltung einer Sexualassistenz einnehmen, wenn das gewünscht wird.

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Bieten SexualbegleiterInnen auch Geschlechtsverkehr an?

Kundinnen und Kunden können keine speziellen sexuellen Akte kaufen, die dann auch noch unterschiedliche Preise haben. Es können lediglich Zeiten der Begegnung gekauft werden.

Was dann die SexualbegleiterIn und die Kundin oder der Kunde miteinander erleben, das kommt auf deren Beziehung und deren Kommunikation an, aber auch die gesetzlichen Vorgaben im jeweiligen Land. SexualbegleiterIn, Kunde und Kundin müssen - wie in einer richtigen Partnerschaft - auch immer darauf achten, wie es dem jeweils anderen geht, was er oder sie braucht und wie. Dann sind viele erotische und sexuelle Verhalten möglich, wenn beide das wollen. Wie es im richtigen Leben kein Recht auf Sexualität gibt, so auch nicht in der Sexualbegleitung. Sie heisst Sexualbegleitung, weil es ein Recht gibt auf eine Begegnung, die sehr offen ist für sexuelle Wünsche.

Es geht letztlich in der Sexualbegleitung um Persönlichkeitsentwicklung.

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Ist Sexualbegleitung nicht nur ein verharmlosendes Wort für Prostitution?

Sexualbegleitung von InSeBe, ISBB und Libida ist eine Dienstleistung, die offen ist für Sexualität, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben im jeweiligen Land. Bezahlt wird die zwischenmenschliche Begegnung, nicht der sexuelle Akt. Da die Abgrenzung allerdings unscharf ist, bleibt Sexualbegleitung für uns eine Form von Prostitution.

Prostitution und Sexualbegleitung sind legal und zu unterscheiden von sexueller Gewalt und sexueller Ausbeutung, die weiterhin kriminell bleiben.

Sexualbegleitung von InSeBe, ISBB und Libida dient der freien Entfaltung der Persönlichkeit, die von unserer Verfassung geschützt wird. Sexualbegleitung ist ein Engagement innerhalb der emanzipatorischen Behindertenbewegung in Deutschland und des internationalen Independent-Living-Movements.

Sexualbegleiter und Sexualbegleiterin von InSeBe, ISBB und Libida sind geschützte Begriffe, die nach einer gründlichen Ausbildung verliehen werden.

Sexualbegleitung unterscheidet sich von der klassischen Prostitution in folgenden Aspekten:

  • Sexualbegleitung von InSeBe, ISBB und Libida wird im Kontext psychotherapeutischer Reflektion der MitarbeiterInnen geleistet. Ausbildung und Supervision stärken die Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleiter.
  • SexualbegleiterInnen von InSeBe, ISBB und Libida nehmen Honorar für eine zwischenmenschliche Begegnung, die offen ist für sexuelle Kommunikation verschiedenster Art. Ziel bleibt die reflektierte Persönlichkeitsentwicklung des Kunden bzw. der Kundin.
  • SexualbegleiterInnen von InSeBe, ISBB und Libida sind frei von kulturellen Hilfereflexen, die den behinderten Menschen per se als hilfsbedürftig ansehen und sich selbst als zur Hilfe verpflichtet. Ohne Auftrag des Kunden handeln SexualbegleiterInnen nicht für ihn und nehmen ihn daher ernst.
  • SexualbegleiterInnen von InSeBe, ISBB und Libida würden niemals einen Kunden wegen irgendeiner körperlichen oder geistigen Einschränkung ablehnen.
  • SexualbegleiterInnen von InSeBe, ISBB und Libida sind verpflichtet zur ehrlichen Kommunikation Ratsuchenden gegenüber. Das bedeutet auch manchmal, dem Kunden (in aller Wertschätzung) unangenehme Rückmeldungen zu geben, als Förderung seiner Chancen, sich ausserhalb der Sexualbegleitung sexuelle und partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen.

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Ist Sexualbegleitung als Sonderweg nicht wieder eine Diskriminierung Behinderter?

Nein! Die Angebote von InSeBe, ISBB und Libida sind Angebote für Behinderte und Nichtbehinderte. SexualbegleiterInnen von InSeBe, ISBB und Libida machen eine Behinderung nicht zur Voraussetzung für ihre Angebote.

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Können Sie mir eine Sexualbegleiterin oder einen Sexualbegleiter in meiner Region telefonisch nennen?

Nein. Wir vermitteln keine MitarbeiterInnen am Telefon. Wir laden recht herzlich zu unseren Workshops ein, bei denen wir die Ratsuchenden und die Kunden kennenlernen und diese uns und unsere Sexualbegleiter und Sexualbegleiterinnen. Wir verweisen dazu auch auf diesen Internetauftritt www.sexualbegleitung.com. Andere Hinweise finden Sie unter unseren Links.

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Gibt es für Sexualbegleitung Sozialtarife, weil Behinderte in der Regel so wenig verdienen?

Auch wir beklagen die ungerechte Entlohnung für die Arbeit Behinderter. Wir fordern etwa die Einführung einer bedarfsdeckenden Grundabsicherung aller Menschen oder die Einbeziehung von WerkstattmitarbeiterInnen in die allgemeinen Mindestlohnregelungen. Einzelne Dienstleistungen im Sozialtarif sind allerdings kontraproduktiv, wenn es um die Attraktivierung behinderter Menschen geht. Auch Sex auf Krankenschein halten wir für eine ungeeignete Parole. Eine gute Entwicklung ist die Einbeziehung sexueller Dienstleistungen in das persönliche Budget.

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